Gebrauchswesen

Die artgerechte Berufung des Teckels

Der Dackel ist von Natur aus ein passionierter Jagdhund. Diese über Jahrhunderte gefestigten Eigenschaften machen ihn nicht nur zu einem verlässlichen Partner im Revier, sondern sorgen auch für sein ausgeglichenes, mutiges und wesensfestes Wesen im Alltag.

Die jagdliche Ausbildung und Prüfung im DTK dient in erster Linie dem Tierschutz und der waidgerechten Jagd. Ein gut ausgebildeter Jagdhund ist unverzichtbar, um beispielsweise verletztes Wild nach Verkehrsunfällen schnell zu finden oder durch gezielte Bejagung bedrohte Bodenbrüter zu schützen.

Um die hohen Standards zu wahren, ist die Zulassung zu unseren Prüfungen streng reglementiert: Sie erfordert einen gültigen staatlichen Jagdschein des Hundeführers sowie eine anerkannte Ahnentafel (VDH/FCI) des Hundes. Bewertet werden die Leistungen von geschulten Richtern nach einem klaren Punktesystem von 0 (ungenügend) bis 4 (sehr gut).

Anlagenprüfungen: Das natürliche Potenzial

Schussfestigkeit (Sfk)

Dies ist die Grundvoraussetzung für fast alle weiteren Aufgaben. Hier wird geprüft, ob der Hund bei Schussabgabe im freien Feld ruhig, wesensfest und gelassen bleibt. Fluchttendenzen oder Schussempfindlichkeit schließen eine weitere jagdliche Laufbahn aus.

Wassertest (Wa.T.)

Eine Überprüfung der Wasserfreudigkeit im jagdlichen Kontext. Der Hund zeigt hier, dass er ein sicherer und freudiger Apportierer im nassen Element ist, inklusive der Schussfestigkeit am Wasser.

Spurlautprüfung (Sp)

Sie gilt als Königsdisziplin der Anlagenprüfungen. Der Teckel wird auf der frischen Spur eines Feldhasen angesetzt (den der Hund nicht sieht). Er muss den exakten Fährtenverlauf durch hochkonzentrierte Nasenarbeit entwirren und der Spur ausdauernd und laut bellend („spurlaut“) folgen. Die Bestnote 4 erfordert einen exzellenten Spurwillen und die Fähigkeit, sich nach einem Verlust der Fährte selbstständig wieder einzuarbeiten.

Spezialisierte jagdliche Leistungsprüfungen

Aufbauend auf den Anlagenprüfungen stellt sich der erwachsene Teckel den hochkomplexen, realitätsnahen Prüfungen des Jagdbetriebs.

Schweißarbeit (SchwhK, SchwPoR, VSwP)

Die hochkonzentrierte Nachsuche auf verletztes Schalenwild. Bei der Schweißprüfung auf künstlicher Wundfährte (SchwhK) wird eine exakt 1000 Meter lange Fährte getropft, die zwingend über Nacht ruhen muss. Der Hund führt seinen Führer am langen Schweißriemen durch natürliche Verleitfährten hindurch zielsicher zum fiktiven verendeten Stück.

Stöberjagd (St, WaS, ESw)

Bei der Stöberprüfung (St) und der Waldsuche (WaS) muss der Teckel eine definierte Waldparzelle völlig eigenständig, weit ausholend und systematisch absuchen und gefundenes Haarwild lauthals vor die angestellten Schützen treiben. Die Eignung zur Stöberjagd auf Schwarzwild (ESw) testet zudem die nötige Intelligenz und den Mut, wehrhaftes Wildschwein im Gatter auf sichere Distanz zu verbellen.

Bodenjagd (BhFK/95, BhN)

Eignungsbewertung für die Bodenjagd in Kunst- und Naturbauten. Der Teckel muss beweisen, dass er den Fuchs oder Dachs in der Dunkelheit des Baus findet, ausdauernd vorliegt und hartnäckig verbellt. Dies ist elementar für die tierschutzgerechte Regulation von Raubwild zur dringend nötigen Schonung des Niederwildes.

Vielseitigkeit (Vp, IntVp)

Die komplexeste und anstrengendste Prüfung des Verbandes. Sie kumuliert Elemente aus anspruchsvoller Schweißarbeit, Stöbern, absolutem Gehorsam und Spurlaut zu einer allumfassenden Gesamtbewertung der jagdlichen Brauchbarkeit.

Leistungszeichen und Naturleistungen

Sämtliche gezeigten Leistungen werden von geschulten DTK- oder JGHV-Richtern dokumentiert, zuchtbuchmäßig erfasst und in den offiziellen Ahnentafeln unwiderruflich verankert. Eine erfolgreich bestandene Prüfung resultiert in einem spezifischen Leistungszeichen (LZ).

Das Jugend-Zeichen („/J“)

Ein besonderes Prädikat. Legt ein Hund eine Prüfung bereits im frühen Jugendalter (bis zum 15. Lebensmonat) ab, erhält er den Zusatz „/J“ (z. B. Sp/J). Dies zeugt von enormer Frühreife und starken Anlagen.

Naturleistungszeichen

Zeichen wie SauN (Schwarzwild/Natur) oder BhN (Bodenjagd/Natur) werden niemals in künstlich arrangierten Prüfungssituationen vergeben. Sie werden dem Hund ausschließlich für herausragende Leistungen während der realen, praktischen Jagdausübung im Revier zuerkannt und von zertifizierten Richtern als Augenzeugen protokolliert.